Ob in den Bergen oder in Unternehmen – in unsicheren, herausfordernden Situationen sind Erfahrung, Weitblick und entschlossenes Handeln gefragt. Genau hier treffen sich die Rollen eines Bergführers und eines Interim Managers: Beide übernehmen in kritischen Momenten Verantwortung, navigieren durch unbekanntes Terrain und führen Teams sicher ans Ziel.
Paul Sodamin gehört zu den besten und erfahrensten Bergführern der Alpen und hat uns im letzten Jahr sicher auf den Großglockner (und wieder runter) geführt. In unserem kurzen Interview sprechen wir mit Paul über Führung, Krisensituationen und warum Routine eine echte Gefahr darstellen kann.
INTERIM-SHERPAS:
Lieber Paul, was sind für Dich persönlich die wichtigsten Prinzipien nach denen Du führst?
Paul Sodamin:
Zunächst einmal muss man schauen, ob die Teilnehmer einer Expedition überhaupt dazu bereit und vor allem dazu fähig sind. Wichtig ist, dass ich das richtig einschätze und hier die richtige Entscheidung treffe. Langjährige Erfahrung und das entsprechende Know How eines Bergführers sind da natürlich essentiell. Vertrauen ist ebenfalls ein wichtiger Punkt. Man muss seinem Bergführer blind vertrauen können und er muss eine gewisse Sicherheit ausstrahlen.
INTERIM-SHERPAS:
Worauf kommt es für Dich als Bergführer in Krisensituationen besonders an?
Paul Sodamin:
Das Allerwichtigste ist es jederzeit die Übersicht zu behalten und sofort einen Lösungsansatz parat zu haben. Wo gibt es einen Ausweg? Was sind weitere Risiken? Wenn Du keinen Plan hast, hast Du schon verloren. Und ganz wichtig: die Ruhe! Wenn Du am Berg einen Fehler machst als Bergführer dann hast Du schlechte Karten. Hier geht es um Menschenleben. Daher immer die Ruhe bewahren.
INTERIM-SHERPAS:
Was sind aus Deiner Erfahrung die Situationen, in denen am meisten Unfälle passieren?
Paul Sodamin:
Ganz klar die Routine. Es ist dann am gefährlichsten, wenn man glaubt alles ist OK. 100% Sicherheit am Berg gibt es nie. Man muss immer aufpassen und die Übersicht bewahren. Man kann sogar sagen im einfachen Gelände ist es gefährlicher als im schwierigen Gelände, weil man oft nicht voll fokussiert ist. Viele vergessen, dass am Berg wirklich gar nichts sicher ist. Es kann fast überall Steinschläge geben, man kann stolpern, man kann in Spalten hineinfallen- es gibt wirklich sehr viele Gefahren am Berg. Da braucht es einen erfahrenen Bergführer, der Gefahren sieht und spürt.
INTERIM-SHERPAS:
Vielen Dank, lieber Paul. Und bis bald am Gran Paradiso 😊
Paul Sodamin ist staatlich geprüfter und behördlich autorisierter Bergführer aus der Steiermark – außerdem Skiführer, Kletterer, Bergretter, seit 23 Jahren als Flugretter im Einsatz, Buchautor und Fotograf. Er hat über 300 alpine Sechser-Routen im gesamten Alpenraum absolviert, davon über 100 besonders schwierige. Zu seinen Touren zählen auch die großen Nordwände des Matterhorns und des Eigers.
Dieses Bild entstand bei unserer Besteigung des höchsten Berges Österreichs, dem Grossglockner, im letzten Jahr.
Aber seien Sie gespannt- auch in diesem Sommer wartet wieder ein herausfordernder Gipfel auf uns- natürlich mit Sherpa 😉
Neue Wege gehen.
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