Einige Gedanken zum Bestseller von Kim/Mauborgne: Blue Ocean Strategy. How To Create Uncontested Market Space And Make The Competition Irrelevant
Der Interim Management Markt hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten von einem Nischenphänomen zu einem etablierten Bestandteil moderner Unternehmenssteuerung entwickelt.
Angesichts eines wachsenden Marktes, zunehmender Anbieterfragmentierung, steigender Wettbewerbsintensität und sich verändernder Kundenerwartungen stellt sich die Frage, ob es sich beim Interim Markt um einen sogenannten „Red Ocean“ – geprägt durch Verdrängungswettbewerb – oder um einen „Blue Ocean“ – charakterisiert durch Differenzierung und neue Nachfrage – handelt.
Die Blue-Ocean-Strategie wurde von den INSEAD-Professoren W. Chan Kim und Renée Mauborgne entwickelt und 2004 vorgestellt, siehe hierzu den Bestseller „Blue Ocean Strategy: How To Create Uncontested Market Space And Make The Competition Irrelevant“, published by Harvard Business Review Press 2005.
1. Dienstleistung und Interim Management Markt
Interim Management bezeichnet den temporären Einsatz selbständiger, hochqualifizierter Führungskräfte zur Bewältigung unternehmerischer Projekte und Sondersituationen. Typische Einsatzfelder umfassen komplexe Projekte, Restrukturierungen und Transformationen oder die Überbrückung von Vakanzen.
In Europa, insbesondere im deutschsprachigen Raum, ist der Markt durch eine Vielzahl von Akteuren geprägt: Einzelne Interimmanager, spezialisierte Interim Provider, Sozietäten, Beratungsgesellschaften, digitale Netzwerke und Plattformen. Im Markt besteht ein hohes Maß an Heterogenität, bei eingeschränkter Markttransparenz und Vergleichbarkeit von Leistungen.
2. Red-Ocean-Charakteristika im Interim Management
Aus einer klassischen industrieökonomischen Perspektive weist der Interim-Markt zahlreiche Merkmale eines Red Ocean auf:
Anbieterfragmentierung und Preisdruck: Die niedrigen Markteintrittsbarrieren ermöglichen es einer großen Zahl von Interimmanagern und Vermittlern, am Markt zu agieren. Interim Management ist kein geschütztes, qualitätsgesichertes Berufsbild. Jeder kann sich Interim Manager nennen. Dies führt zu Wettbewerb, insbesondere in standardisierten Einsatzfeldern wie Vakanzüberbrückungen, Commodity-Projekten oder reinen Kapazitätsanfragen.
Homogenisierung der Leistungsversprechen: Anbieter kommunizieren ähnliche Wertversprechen: Schnelligkeit, Best-Matching, große Kandidatenpools, automatisierte Prozesse, niedrige Kosten. Ohne Differenzierungsmerkmale entsteht ein substituierbares Angebot, das primär über Preis und Verfügbarkeit gesteuert wird.
Plattformisierung: Digitale Marktplätze fördern Standardisierung und Entpersonalisierung. KI-Agenten nutzen Daten aus ungesicherten, digitalen Angaben und verfügbaren Unterlagen (CVs, Projektlisten etc.). Die Persönlichkeit hinter der Schriftform tritt in den Hintergrund, die Vermittlung steht im Vordergrund.
Diese Faktoren sprechen dafür, dass Teile des Interim-Marktes – insbesondere im unteren und mittleren Segment – zunehmend red-ocean-geprägt sind.
3. Blue-Ocean-Potenziale im Interim Management
Gleichzeitig eröffnen sich substanzielle Differenzierungsmöglichkeiten, die eine Einordnung des Interim Management Marktes als Blue Ocean rechtfertigen.
Fokus Umsetzung: Unternehmen sehen sich mit tiefgreifenden Veränderungen konfrontiert. In diesem Kontext steigt die Nachfrage nach hochspezialisierten, sofort wirksamen Führungspersönlichkeiten, die nicht nur operative Lücken schließen, sondern Märkte verstehen und Transformation aktiv gestalten.
Als Interim Provider positionieren sich die INTERIM-SHERPAS nicht als Vermittler, sondern als strategischer Partner zur Entwicklung tragfähiger Projekte, als verlässlicher Partner in der Umsetzung (durch alle Phasen hinweg) und als Instanz zur nachhaltigen Verankerung eines erfolgreichen Projektes im Unternehmen.
Spezialisierung: Wer eine Branche kennt und sich spezialisiert kann Kunden oft sehr viel besser bei kniffligen Projekten unterstützen und seine Branchen-Kontakte einbringen. Das gilt für Interim Manager wie für Provider. Dies muss allerdings nicht ausschließen, bewusst auf branchen-fremdes KnowHow (beispielsweise aus funktional höherentwickelten oder angrenzenden Branchenfeldern) zu setzen. Erfahrene Interim Provider können Kunden verschiedene Lösungswege zur Entscheidung vorstellen, die weit über die „Abarbeitung eines Briefings“ hinausgehen.
Kuratierte Netzwerke statt offener Marktplätze: Ein entscheidender Differenzierungsfaktor liegt in der Qualitätssicherung. Während Plattformen auf Skalierung setzen, basiert ein nachhaltiger Wettbewerbsvorteil auf sorgfältig kuratierten Netzwerken von Interimmanagern mit nachweislicher Erfolgsbilanz. Dies reduziert Transaktionsrisiken für Kunden und schafft Vertrauen – ein immaterieller, schwer imitierbarer Wettbewerbsvorteil. Im Interim Manager gilt es, Qualität und Speed zusammenzubringen, um im Anfragefall ein Projekt auf den Punkt zu besetzen.
Fokus auf die besten Interim Manager am Markt: Die Top-25% der Interim Manager sind in der Regel „überausgelastet“ (mehr Anfragen als sie an eigener Kapazität bereitstellen könne) und sind im „öffentlichen Interim Markt“ kaum verfügbar. Diese Gruppe binden professionelle Provider langfristig an sich, um sie ihren Kunden im Anfragefall kurzfristig zur Verfügung zu stellen.
4. Strategische Einordnung: Ein hybrider Markt
Die Analyse zeigt, dass der Interim-Management-Markt weder eindeutig als Red Ocean noch als Blue Ocean klassifiziert werden kann. Vielmehr handelt es sich um einen hybriden Markt mit segmentabhängiger Logik:
- Red Ocean: standardisierte Mandate, hohe Austauschbarkeit, Preisdruck. Wettbewerb in gesättigten Märkten, Fokus auf konkurrierende Geschäftsmodelle und Leistungsansätze
- Blue Ocean: komplexe Projekte, hohe Spezialisierung, integrierte Leistungen. Schaffung neuer Märkte, zusätzliche Wertschöpfung generieren
Für Anbieter ergibt sich daraus eine klare strategische Implikation: Wettbewerbsvorteile entstehen nicht durch Teilnahme am bestehenden Spiel, sondern durch Weiterentwicklung bestehender Vertriebsansätze, durch neue, proaktive und kundenspezifische Projektangebote und durch die gezielte Vermarktung des Kern-Assets im Interim Management: Umsetzungskompetenz.
Daraus ergeben sich wichtige Punkte für die eigene Positionierung:
- Selektivität statt Volumen – Fokus auf die richtigen Kunden und Mandate
- Exzellenz im Netzwerk – starke, persönliche Netzwerke mit echten Führungspersönlichkeiten
- Verantwortung für Ergebnisse – nicht nur „Dienst leisten“, sondern Wirkung erzeugen
Viele sehr erfolgreiche Interim Manager und und Interim Provider bewegen sich gezielt im Blue-Ocean-Segment des Marktes – wohl wissend, dass dieser Raum kontinuierlich neu geschaffen werden muss.
5. Fazit
Der Interim-Management-Markt ist kein statisches Wettbewerbsumfeld, sondern ein dynamisches System mit unterschiedlichen Logiken. Während Teile des Marktes zunehmend commoditisiert werden, entstehen parallel neue Räume für Differenzierung und Innovation.
Die zentrale Herausforderung für Anbieter besteht darin, sich bewusst zu positionieren: entweder als effizienter Akteur im Red Ocean oder als gestaltender Player im Blue Ocean.
Für das Team der INTERIM-SHERPAS ist die Antwort eindeutig. Es gibt viele Möglichkeiten für nachhaltiges Wachstum im Interim Management.
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