Starke Teams bringen Organisationen voran – und warum „Star-Kollektive“ mittelfristig unterlegen sind
Bei den INTERIM-SHERPAS beobachten wir in Transformationsmandaten ein häufig wiederkehrendes Muster: Organisationen überschätzen die Wirkung einzelner Leistungsträger – und unterschätzen systematisch die Kraft echter, führungsstarker Teams.
Die Annahme, dass herausragende Individuen automatisch zu herausragender Gesamtperformance führen, ist nicht nur verkürzt. Sie kann im Extremfall destruktiv wirken.
1️⃣ Die Illusion des „Stars“
In komplexen Organisationen entsteht Wert nicht durch singuläre Exzellenz, sondern durch anschlussfähige Leistung im System. Einzelne „Stars“, die sich nicht integrieren, erzeugen häufig:
– informelle Hierarchien außerhalb der Struktur
– sinkendes Vertrauen im Team
– reduzierte kollektive Lernfähigkeit
– steigende Abhängigkeiten von Einzelpersonen
Das Resultat: Performance wird fragil, Resilienz sinkt.
2️⃣ Ein lehrreiches Beispiel aus dem Spitzensport
Gerade in der ARD-Mediathek: Eine sehenswerte Doku zum großen Scheitern der DFB Nationalmannschaft beim FIFA World Cup 1994 in den USA. Die Mannschaft verfügte über eine Vielzahl internationaler Topspieler und galt als Titel-Favorit. Dennoch fehlte etwas Entscheidendes: eine belastbare Vertrauenskultur innerhalb des Teams.
Die Folge: ein frühes Ausscheiden – trotz individueller Klasse. Und zwar absolut zu Recht. Nach umfassender Kritik vollzog Trainer Berti Vogts einen fundamentalen Wandel des Teams. Anstelle eines losen Verbunds von Einzelkönnern entstand ein klar ausgerichtetes, funktionales Team mit: klaren Rollen, hoher gegenseitiger Verlässlichkeit, gemeinsamem Zielverständnis.
Das Ergebnis war der Gewinn der UEFA European Championship 1996 in UK.
3️⃣ Was Organisationen daraus lernen können
Übertragen auf Unternehmen bedeutet das: Führung ist keine Ego-Show, sondern Empowerment des Teams. Hochleistung entsteht dort, wo Verantwortung geteilt und nicht monopolisiert wird. Vertrauen ist kein „Soft Factor“, sondern ein harter Produktivitätsfaktor.
4️⃣ Die Rolle von Interim Managern
Erfahrene Interim Manager wirken nicht als „neue Stars“, sondern als Katalysatoren für funktionierende Systeme:
– Sie stabilisieren in kritischen Phasen
– Sie schaffen Klarheit in Entscheidungsstrukturen
– Sie fördern eigenverantwortliche Teamdynamiken
– Sie machen sich bewusst entbehrlich
Der nachhaltige Erfolg eines Mandats zeigt sich nicht daran, wie unersetzlich der Interim Manager ist – sondern daran, wie gut das Team ohne ihn funktioniert.
5️⃣ Fazit
Organisationen, die langfristig erfolgreich sein wollen, müssen den Fokus verschieben: Weg von der Heroisierung Einzelner – hin zur systematischen Entwicklung starker Teams. Denn echte Stärke zeigt sich nicht im Glanz einzelner Akteure, sondern in der Fähigkeit eines Teams, auch unter Druck gemeinsam zu liefern.
Zustimmung oder Gegenmeinung?
Neue Wege gehen.
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